Was ist Eutonie?

Eutonie Gerda Alexander, eine somatopsychische Methode (Autorin Karin Schaefer)

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Körperwahrnehmung und Körpererfahrung als ein Weg zur Menschenbildung erkannt und entwickelt. Die Erkenntnis der Untrennbarkeit von Körper, Seele und Geist führte zu neuen, körperorientierten Methoden.

„Ich denke, also bin ich“ (R. Descarte) wird ergänzt durch „Ich fühle, also bin ich.“ (A. Damasio)

Die methodischen und didaktischen Ansätze der entstehenden Methoden waren und sind so verschieden wie ihre Gründer, aber allen ging es um den Menschen und seine Potentiale.

Die Anleitungen führen durch Selbsterfahrung zu einem erweiterten Körperbewusstsein, zur Körperbewusstheit: Der Mensch wird sich seiner selbst inne und erlebt sich in Beziehung zur Umwelt.

Bevor es allgemein üblich wurde, von der Ganzheit des Körpers zu sprechen, galt Gerda Alexanders Aufmerksamkeit der Wechselwirkung zwischen den verschiedenen Funktionen unseres Organismus. Zu dieser Ganzheit gehörte für Gerda Alexander auch die Wechselwirkung zwischen der eigenen Leiblichkeit und der Umwelt. Jeder einzelne Mensch lebt in seinem persönlichen Beziehungsgeflecht, das wiederum eingebunden ist in das große Netz der Wechselwirkungen der ganzen Welt.

  • Die Eutonie Gerda Alexander führt durch sinnlich erlebte Erfahrungen zu einem differenzierten Körperbewusstsein und zu somatopsychischen Lernprozessen, die heilend wirken.
  • Sie lehrt ein gründliches Verständnis für den eigenen Körper, sie fördert die ökonomische Bewegung und damit die Lebensqualität. Sich spüren heißt, sich selbst auf die Spur kommen.
  • Damit entwickelt sich die Achtsamkeit sich selbst und der Umwelt gegenüber.
  • Die Eutonie stärkt die gesundheitliche und soziale Kompetenz des Einzelnen in Anerkennung seiner Individualität. Mit dem Ziel der Gesundheitsförderung und Gesundheitskompetenz hat sie sich in der Prävention und Rehabilitation bewährt.

Die modernen neurophysiologischen und biosozialen Erkenntnisse erklären die empirischen Erfahrungen von Gerda Alexander, sie bestätigen ihre Wirksamkeit und ihre Bedeutung für die menschliche Entwicklung.

Die Methode Eutonie Gerda Alexander gehört zu den freien Gesundheitsberufen.

Diese orientieren sich an den Ressourcen eines jeden Menschen mit dem Ziel, seine Gesundheitskompetenz und seine soziale Beziehungsfähigkeit zu fördern.

Die Salutogenese mit der Frage „Wie entsteht Gesundheit?“ wird gegenüber der Pathogenese mit der Frage „Wie entsteht Krankheit?“ in Zukunft immer mehr an Bedeutung für unser Gesundheitswesen erhalten. Damit die Menschen ihre Ressourcen kennen und nutzen lernen, damit sie ihr Gesundheitspotential und ihre Fähigkeit zur Selbstverantwortung entwickeln können, brauchen sie eine geeignete Förderung. Der Weg und das Ziel der Methode Eutonie Gerda Alexander sind heute so aktuell wie zur Zeit ihrer Gründung.

Grundprinzipien der Eutonie Gerda Alexander

Wirkungsbereiche

Berührung
Der Mensch wird berührt durch die ihn umgebende Welt. Diese Berührung wirkt auf ihn ein und bewirkt Veränderung.

Kontakt
Der Mensch nimmt Kontakt mit seiner Umwelt auf. Sein Kontakt wirkt auf die Umwelt ein und bewirkt Veränderung in ihr. Im Dialog zwischen Berührung und Kontakt wird die Wechselwirkung von Innenwelt und Außenwelt erfahren.

Transport
Die der Schwerkraft entgegengesetzt wirkende Kraftübertragung ist Voraussetzung zur menschlichen Aufrichtung. Diese Aufrichtung stellt den Menschen in seine besondere Beziehung zur Umwelt.

Das sensomotorische Nervensystem
mit seinen Regelkreisen

Das vegetative Nervensystem
mit seinen Regulationsaufgaben

Das Skelett
mit seiner Statik, Mechanik

Der Stütz- und Bewegungsapparat
mit seinen strukturbildenden Funktionen

Das Gesetz der Schwerkraft
und sein Einfluss auf die Körperfunktionen

Die biosozialen Umwelteinflüsse
und ihre psycho-somatische Verarbeitung