Die Wurzeln der Eutonie

Gerda Alexander als Gassenjunge auf der BühneGerda Alexander (1908 – 1994) wurde von ihren Eltern und durch die Kunst fördernde Stadt Wuppertal in ihrer Begabung für Musik und Tanz unterstützt. Ihre Ausbildung durch den Wuppertaler Pädagogen Otto Blensdorf in der Jaques-Dalcroze-Rhythmik und der Einfluss der Reformpädagogik von Prof. Peter Petersen in Jena bildeten das Fundament ihrer pädagogischen und künstlerischen Arbeit. Neuere Recherchen über Prof. Peter Petersen haben gezeigt, dass er antisemitische Ansichten vertrat. Dass nicht alle seine Schüler dies übernahmen, dafür ist Gerda Alexander mit ihrer Ablehnung des Nazi-Regimes und ihrem Engagement in einem dänischen Solidaritätsnetzwerk, das Menschen zur Flucht vor den Nazis verhalf, ein gutes Beispiel.

Aus politischen Gründen ging Gerda Alexander 1933 nach Skandinavien zurück, wo sie bereits an verschiedenen Opern als Choreografin tätig war. Ihre pädagogische Arbeit im New-Education-Fellowship fand in Europa, Israel, USA und Argentinien starke Beachtung. Sie wurde als fachliche Autorität geschätzt durch ihren Einsatz für eine Völker verbindende Erziehung und ihren neuen Zugang zum Erleben des eigenen Körpers.

Gerda Alexander bei der Arbeit in einem ParkNach dem Krieg gründete Gerda Alexander in Kopenhagen ihre eigene Schule und entwickelte ihre somatopsychische Methode, für die sie ab 1957 den Begriff Eutonie wählte. 1959 organisierte sie mit Unterstützung des dänischen Gesundheitsministeriums den ersten „Internationalen Kongress für Entspannung und natürliche Bewegung“ in Kopenhagen, an dem u.a. Moshé Feldenkrais teilnahm.

Gerda Alexander mit Carl Orff 1981
Gerda Alexanders Arbeit mit den Musikern des Symphonieorchesters in Kopenhagen führte bereits nach 3 Monaten zu einer drastischen Verringerung des Krankheitsstandes. Diese Arbeit wurde wissenschaftlich begleitet. Gerda Alexanders Schule wurde danach vom Staat als Fachhochschule anerkannt.

Gerda Alexander forschte empirisch. Sie gewann Erkenntnisse, die heute weitgehend bewiesen sind oder werden, z.B. in der Hirnforschung durch die Entdeckung der Spiegelneuronen und der Plastizität des Gehirns. Zentral ist dabei die Erkenntnis, dass und wie sich durch das bewusste Hinspüren die Qualität des Körpers verändert (siehe dazu Fachbeitrag zum Download).